Watzmann Ostewand auf beseondere Art!

08.08.2014

 

Nachdem ich vor ca. fünf Wochen nach einer wunderschönen Watzmannüberschreitung trotz langem Rückweg über das Wimmbachgrieß am Wanderparkplatz wieder angekommen wa kam dieser Gedanke, den ich schon länger hatte wieder hoch.Als ich dort oben nämlich auf ca. 2500-2700 Meter die klassische Überschreitung vomHocheck über Mittelspitz zur Südspitz gemacht habe konnte man ab und zu teils kurzeStellen erahnen oder sogar sehen. Der eine oder andere kann sich denken wovon ich rede. Ja genau, die Rede ist von der Ostwand.

 

Als ich am Gipfel der Südspitz stand und hinab in Richtung St. Bartholomä blickte, war mir klar, da muss ich durch. Natürlich nicht auf die herkömmliche Art und Weise …... dort unten zum, Ostwandlager mit dem letzten Schiff rüberfahren, übernachten und am nächsten Morgen früh los.....

Nein, natürlich sollte es eine außergewöhnliche Tour werden. Ich hatte eine andere Idee.

 

Schon immer träumte ich die Ostwand mit dem Gleitschirm zu bezwingen. So sparte ichmir diesen zwar wunderschönen, aber langen Abstieg über das Wimmbachtal. Es war einfach eine neue Herausforderung für mich.

 

Die Firma Skywalk hatte ja bereits einen Ultra leichten Bergsteigergleitschirm auf den

Markt gebracht (Masala 2) mit dem ich bereits schon mehr Bergtouren absolviert habe. Aufgrund des geringen Gewichtes und des genialen Packvolumens war eben auch genau dieses Gerät für dieses Vorhaben perfekt.

 

Die Planung stand also. Nachdem ich meine Prüfungen an der Uni nun endlich hinter mir hatte und die nötige Zeit da war, ging es an die Vorbereitungen. Da ich wusste dass die Hauptschwierigkeit in der Wegfindung lag, befasste ich mich lange mit Führern, Internet, Foren etc. und prägte mir so die Route relativ genau ein.

 

Natürlich musste auch die körperliche Verfassung passen, da ich folgenden Plan hatte. Ich wollte nicht wie üblich in der früh vom bekannten Ostwandlager starten, sondern mit dem ersten Schiff am eigentlichen Tag aufbrechen. Das hieß also ich musste die Wand in einem einigermaßen zügigem Tempo durchsteigen, um nicht böse Überraschungen wie z.B. Gewitter, Nebel, Steinschlag, schlechte Windbedingung etc. zu erwarten. Dazu kam noch dass ich aufgrund dessen, das ich noch nie durch die Wand kletterte Orientierungsstopps einlegen musste, was die Zeit natürlich auch wieder verlängerte.

 

Bei meiner letzten „Hike and Fly Tour“ auf den Grossen Bettelwurf über die Wechselspitze im Karwendel die von den Höhenmetern mit der Ostwand in etwa gleich zu setzten war,hatte ich vom Zeitfaktor ein gutes Gefühl, so dass ich mir um den Fitnesszustand weniger Sorgen machen musste. Strecke, Training, Material, fast alles passte, wäre da nicht dieses Thema mit dem Wetter.Immer wieder machte mir die Wetterbedingungen einen Strich durch die Rechnung. Ständiger Regen, viel Wind und Schneefall bis auf 2700 Meter ließen mich an meinem Vorhaben scheitern. Als dann doch endlich mal eine kleines Zwischenhoch in Sicht war, war ich mir fast sicher es würde klappen. Aufziehende Gewitter am Nachmittag jedoch wären aber eher schlecht für die Tour gewesen. Also wieder Verschieben.

 

Dann endlich, nach immer wieder mal kleinen schönen Abschnitten, war dieser sommerliche Freitag mit kaum Niederschlagstendenzen gemeldet. Bei einem letztenWettercheck am Donnerstag war mir klar morgen ist der Tag. Alle nötigen Sachen am Abend gepackt und schnell ins Bett um am nächsten Tag fit zu sein.

 

Um 6 ging es dann am Freitag den 8.8.14 mit dem Auto Richtung Königssee, an dem ich überpünktlich das Auto auf dem Seegelände parkte und mich auf dem Weg machte das Ticket für die Überfahrt mit dem Schiff nach St. Bartholomä zu kaufen. Dieses startete die erste Fahrt dorthin zeitig gegen 8 Uhr. Die Einlage mit dem Flügelhorn des Schiffführers ließ erste Eindrücke der mächtigenWände rund um den See wecken. Kurz nach dem Anlegen gegen kurz nach halb 9 steuerte ich voller Vorfreude im leichten Morgennebel den Weg Richtung Eiskapelle an, die den Einstieg der Ostwand darstellte. Diese dann nach kurzer Zeit erreicht, setzte sich der Bodennebel immer mehr und der erste Blick auf die Watzmann Ostwand erstreckte sich in ihrer vollen Schönheit. Wahnsinn. DiesesGefühl vor dieser gigantischen und immerhin höchsten Wand der Ostalpen zu stehen und im nächsten Moment diese durchzusteigen war einfach unbeschreiblich. Ziemlich genau konnte ich die bereits gut durchstudiere Route sehr schnell endlich in „Echt“ in der Wand ausmachen.

 

Mittlerweile war es kurz nach 9 weswegen ich nicht allzu lange am Einstig verweilte, meinen Helm aufsetzte ,vorbei an der Eiskapelle und hinauf den ersten Sporn wanderte. Immer entlang den Pfadspuren durch Latschen, über Wiesen und teils nassen Platten ging es weiter hinauf in Richtung Schuttkar, dass ich dann auf ca. 1340 Meter erreichte. Die Sonne strahlte mit ihrer vollen Kraft herab, sodass ich gerade imunteren Bereich dies gut zu spüren bekam. Den Wasserverlust am Schuttkar kurz aufgefüllt, ging es gleich weiter durch das Schuttkar in die eigentliche Ostwand. Den richtigen Einstieg schnell gefunden ging es los in schöner leichter Kletterei hinauf zum 1. und 2. Sporn, an dem ich nochmal eine kurze Trinkpause machte und den einzigartigen Blick auf St. Bartholomä festhielt. Vor mir lag nun die berüchtigte Wasserfallplatte die es zu durchklettern galt. In ihr konnte ich vom 2. Sporn deutlich 2 weitere Seilschaften beobachten. Mir war nun also klar, ich bin an diesem Tag nicht alleine in der Ostwand.

 

Nachdem ich diese Seilschaften in der Wasserfallplatte überholte und ich nach kurzem Gespräch erfuhr dass sie im Ostwandlager nächtigten hatte ich ein gutes Gefühl was das Zeitthema anging. Weiter also nach dem Ausstieg der Wasserfallwand durch eine Rampe empor bis zum Einstieg der Gipfelschlucht. Unglaublich diese wunderschöne Kletterei. Ich fühlte mich gut und verweilte zum fotografieren und den weiteren Wegverlauf zu prüfen nicht all zu lange. Mittlerweile überholte ich einige andere Ostwandaspiranten die bei bestem Wetter auf einem Absatz pausierten. Immer weiter ging es hinauf bis ich dann schließlich kurz unterhalb von ca. 2380 Meter mit Blick auf die Biwakschachtel die Bestätigung hatte, den richtigen Wegverlauf gefunden zu haben. Dort angekommen stand ich endlich auch mal neben dieser Notunterkunft, die ich ja bislang immer nur von Fotos und Videos kannte. Hier eine kurze Stärkung zu mir genommen ging es anschließend durch Rinnen und Kamine immer stetig aufwärts in Richtung Südspitz.

Ich konnte es gar nicht glauben dass ich nun hier oben am Gipfel stand und die Ostwand endlich nach langem Planen durchgangen bin. Ein unglaublich schönes Gefühl war das. Mittlerweile war es kurz nach 13 Uhr und ich konnte feststellen dass ich super im Zeitplan lag. Nach einer kleinen Brotzeitpause packte ich dann die Überschreitung zum Hocheckgipfel an, denn ich wollte ja dort irgendwo starten um ins Tal zu fliegen. Mittlerweile umhüllten einige kleine Wolkenfetzen die Ostwand, was meine weitere Route aber nicht weiterhin beeinflusste. Am Hocheck dann angekommen packte ich kurz unterhalb des Gipfels meinen Gleitschirm aus, nachdem ich feststellte, dass die Windverhältnisse optimal waren. Zwar war das Gelände etwas gewoÅNhnungsbedürftig, was mich aber aufgrund bisher guter Erfahrungen nicht vom Starten abhielt. Aufgrund des super Materials gelang es mir dann schließlich ohne Probleme gegen ca. 14:30 Uhr mit dem Schirm vom Boden abzuheben.

 

Es war fast geschafft. Voller Begeisterung konnte ich über die anderen Bergsteiger und schließlich übers Watzmannhaus hinweg in Richtung Ausgangspunkt fliegen. Aufgrund des guten Gleitwinkels hatte ich über dem Königssee noch eine schöne Höhe, die ich nutzte um eine in östlicher Richtung gelegene Waldkante anzufliegen, die die Sonne schön aufgeheizt hatte. Da ich zeitlich sehr gut unterwegs war habe ich ab hier meinen geplanten Tourentag etwas verlängert. Mittlerweile war es erst kurz nach 15 Uhr, so ist es mir gelungen die Nachmittagsthermik an den westlichen Ausläufern des Hohen Brettes zu nutzen um mich nochmals in die Höhe zu schrauben. Ein super Gefühl wenn man kurz vorher noch in der Ostwand war und sich nun mit Hilfe der Thermik Meter für Meter wieder nach oben kurbelt, mit Blick auf den Watzmann. Ich konnte sogar nochmal kurz über 2000 Meter aufdrehen und hatte es mir nicht entgehen lassen dort oben noch kurz top zu landen. Dort aber nicht lange verweilt startete ich ebenso genussvoll wie ich eingelandet bin und hatte mich entschlossen die Wiese die ich bereits beim runterfliegen vom Hocheck gesichtet hatte anzusteuern. Nochmal genoss ich den atemberaubenden Blick auf den Watzmann sowie den Königssee und das im hinteren Bereich gelegene Bartholomä, von wo ich meine Tour am Morgen startete. Direkt neben dem Parkplatz, an dem ich in der früh geparkt hatte landete ich gegen ca. 15:15 Uhr mit einem überaus grandiosem Erlebnis und unvergesslichen Momente gut und sicher.

 

Natürlich habe ich es mir nicht entgehen lassen mir beiimmer noch absolut Top Wetter mit viel Sonnenschein einen guten Cappuccino und ein Eis zu gönnen. Gedanklich habe ich mir den ganzen Tag im Kopf nochmal Revue passieren lassen und bin anschließend gestärkt zurück zum Auto und hab mich auf den nach Hause Weg gemacht. Die ganze Tour habe ich natürlich versucht mit Fotos festzuhalten, was mir dieses mal aufgrund dessen, dass ich alleine unterwegs war und die GoPro nicht dabei hatte leider nicht ganz so gut gelungen ist. Vielleicht hab ich doch bei dem einem oder anderem einen kleinen Eindruck dieser unvergesslichen Tour vermitteln können.

 

Vielen Dank nochmal an die Firmen Skywalk und Steigenberger die mich bei der Ausrüstung unterstützen, ohne denen das ganze mit Sicherheit nicht einfach so reibungslos von statten gehen würde.


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